Essay

Wenn Buchstaben tanzen: Ein Einblick in LRS und ihre Heilung

Akbar Nazari

Sep 12, 2023

5 Minuten Lesezeit

Was ist LRS?

Lese-Rechtschreib-Störung, kurz LRS, ist eine spezifische Entwicklungsstörung, die das Erlernen und die Anwendung von Lesen und Schreiben beeinflusst. Kinder und Erwachsene mit LRS haben Schwierigkeiten, Buchstaben in Laute umzuwandeln, Wörter zu erkennen und sie korrekt zu schreiben. Die Herausforderung besteht darin, dass die betroffenen Personen trotz normaler Intelligenz und angemessener schulischer Bildung Mühe haben, die grundlegenden Lese- und Rechtschreibfähigkeiten zu beherrschen. Dieser Artikel soll einen allgemeinen Überblick über die LRS schaffen.


Häufigkeit von LRS

Die Lese-Rechtschreib-Störung ist gar nicht so selten, wie man vielleicht denken könnte. Weltweit liegt die Prävalenz bei 11% der Bevölkerung (Prävalenz der LRS). Und häufig bleibt es nicht nur bei den Schwierigkeiten in der Schule. Die LRS geht nicht selten mit anderen psychischen Problemen einher. Wenn Schüler kontinuierlich schulische Misserfolge erleiden, entwickeln sich in der Regel gravierende Versagensängste und dysfunktionale Selbstwertkonzepte, weswegen die Komorbidität entsprechend hoch ist (Goldston et al., 2007). Studien haben gezeigt, dass Jugendliche mit einer LRS dreimal so häufig an lebensmüden Gedanken und Suizidversuchen leiden wie ihre Gleichaltrigen ohne LRS (Daniel et al., 2006). Die Rate an depressiven Störungen ist bei Jugendlichen mit einer LRS doppelt so hoch und Angststörungen treten sogar dreimal so häufig auf (Mugnaini et al., 2009). Insbesondere im Kontext der Grundschuljahre manifestieren sich bei Kindern mit LRS vermehrt negative Gedanken, Traurigkeit, gedrückte Stimmung und Ängste, die in engem Bezug zum schulischen Umfeld stehen. Sie fühlen sich häufig allein gelassen und von den Lehrkräften abgelehnt (Diagnostik und Therapie der LRS).


Ursachen der LRS

Nachdem wir nun einen allgemeinen Überblick über die Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) gewonnen haben und verstehen, dass es sich nicht nur um eine schulische Herausforderung handelt, sondern auch Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden haben kann, ist es nun an der Zeit, einen Blick auf die Ursachen dieser Störung zu werfen. Indem wir uns mit den Ursachen befassen, können wir ein tieferes Verständnis dafür entwickeln, warum einige Menschen von LRS betroffen sind und wie wir ihnen am besten helfen können.

Es gibt mehrere genetische und umweltbedingte Risikofaktoren, die die LRS bedingen. Forscher haben bestimmte Gebiete auf unseren Erbgut-Trägern, den Chromosomen, entdeckt, die mit der Vererbung der LRS zusammenhängen. Außerdem konnte eine Erblichkeit von 50% für die Lesefähigkeit und eine Erblichkeit von 60% für die Rechtschreibfähigkeit festgehalten werden Darüber hinaus haben neurobiologische Untersuchungen gezeigt, dass bei Menschen mit LRS bestimmte Hirnregionen während des Lesens und Schreibens möglicherweise nicht optimal aktiviert werden (Genetische Ursachen).

Allerdings bedeutet eine Erblichkeit von 50% nicht, dass die Wahrscheinlichkeit, Probleme in der Lesefähigkeit zu entwickeln, automatisch bei 50% liegt. Die Erblichkeit einer Störung ist nicht direkt mit der individuellen Wahrscheinlichkeit korreliert, sie zu entwickeln oder nicht zu entwickeln.

Die Erblichkeit ist viel eher ein statistisches Maß, das angibt, wie viel von der beobachteten Variation in einer Eigenschaft auf genetische Unterschiede zurückzuführen ist. Bei der LRS wurde beispielsweise festgestellt, dass genetische Faktoren einen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung

der Störung haben können. Studien mit eineiigen und zweieiigen Zwillingen haben gezeigt, dass eineiige Zwillinge, die genetisch identisch sind, eine höhere Konkordanzrate für LRS aufweisen als zweieiige Zwillinge, deren Erbgut sich lediglich zu 50% gleicht (wie bei gewöhnlichen Geschwistern). Somit variiert der genetische Einfluss von Person zu Person. Umweltfaktoren spielen also ebenfalls eine bedeutende Rolle. Umweltfaktoren können die genetische Veranlagung beeinflussen und das Risiko für die Entwicklung von LRS erhöhen oder verringern. Dazu gehören beispielsweise die sprachliche und schriftliche Förderung im Elternhaus, die Qualität des Unterrichts, die Verfügbarkeit von Lernressourcen und die Unterstützung durch Lehrkräfte und Peers. Der motivierende oder demotivierende Umgang mit Schriftsprache im Elternhaus hat einen Einfluss auf die Lese- und Rechtschreibentwicklung des Kindes (Scheerer-Neumann, 2018). Des Weiteren wurde festgestellt, dass das Geschlecht eine Rolle spielt, wobei Jungen häufiger von LRS betroffen sind als Mädchen (Geschlechterunterschied in der Prävalenz). Auch der Migrationshintergrund kann eine Rolle spielen. Kinder mit einer anderen Muttersprache schneiden bei Lesetests in der deutschen Sprache im Durchschnitt schlechter ab als Kinder mit deutscher Muttersprache (LRS bei Kindern mit Migrationshintergund).


Behandlung

Nachdem wir uns einen umfassenden Überblick über die Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) verschafft und die möglichen Ursachen beleuchtet haben, widmen wir uns nun den wichtigen Aspekten der Behandlung dieser Herausforderung. Die Behandlung von LRS verfolgt das Ziel, die grundlegenden Lese- und Rechtschreibfähigkeiten der betroffenen Kinder und Erwachsenen zu verbessern und gleichzeitig ihr psychisches Wohlbefinden zu fördern.

Ein essenzieller erster Schritt in der Behandlung von LRS ist die Beratung der Eltern und die sogenannte Psychoedukation. Hierbei erhalten Eltern wertvolle Informationen über die LRS, ihre Auswirkungen und die verschiedenen Möglichkeiten der Unterstützung sowohl im schulischen als auch im häuslichen Umfeld. Durch eine fundierte Aufklärung können Eltern besser verstehen, wie sich die LRS auf das Leben ihrer Kinder auswirken kann, und lernen, wie sie sie bestmöglich unterstützen können.

Im Gegensatz zu einigen anderen psychischen Störungen ist eine Pharmakotherapie bei LRS nicht empfehlenswert.

Die Behandlung von LRS konzentriert sich darauf, die spezifischen Defizite der Betroffenen anzugehen. Dazu gehören Aspekte wie Lesegenauigkeit, Leseflüssigkeit, orthografische Rechtschreibfähigkeit und auditive Wahrnehmung. Beim CIRCLE Institut entwickeln wir individuelle Förderpläne, die auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen abgestimmt sind.

Eine wichtige Orientierungshilfe für die Behandlung von LRS bietet die S3-Leitlinie (S3-Leitlinie). Diese Leitlinie wird von Fachgesellschaften und Expertengruppen im Bereich der Medizin und Psychologie erstellt und dient als Grundlage für eine qualitativ hochwertige und evidenzbasierte Versorgung von Patienten. Sie stellt sicher, dass Therapieansätze auf dem neuesten Stand der Forschung basieren und den besten Nutzen für die Betroffenen bringen.

Die Behandlung von LRS ist in der Regel ein langfristiger Prozess. Fortschritte können sich allmählich zeigen, und die Unterstützung durch Lehrer, Eltern und Therapeuten spielt eine entscheidende Rolle dabei, den Lernfortschritt zu begleiten und das Selbstvertrauen der Betroffenen zu stärken.

Lassen Sie uns gemeinsam den Lernpfad Ihres Kindes gestalten

Bei Interesse, Fragen oder Anregungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns und wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören.

© 2024 CIRCLE Institut

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